Endspurt bei Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry

Teilnehmer/innen verraten, warum sich ein Besuch lohnt

„Filmen macht Spaß, und wie!“, stellte die Studentin Leonie Randolf bei ihrer Tour durch Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry fest. Ihr geht es wie zahlreichen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die seit Mitte September an einer der täglich mehrmals stattfindenden Touren teilgenommen haben und nach drei Stunden ihren eigenen Film in Händen hielten.

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Noch bis zum 28. Januar haben Besucher/innen des Deutschen Filmmuseums Gelegenheit, das einzigartige Mitmachprojekt des Oscar®-gekrönten Regisseurs zu besuchen und selbst zur Regisseurin, zum Aufnahmeleiter, Drehbuchautor oder zur Schauspielerin zu werden. „Die Filmfabrik führt extrem lustig an den Prozess des Filmemachens heran, vor allem aber merkt man, wieviel mehr dahinter steckt“, erklärt Teilnehmerin Astrid Kasperek. Johanna Roos gefiel besonders, „während des Drehs spontan kreativ entscheiden zu können und seinen Ideen völlig freien Lauf zu lassen“. Die Filmfabrik ist keine Ausstellung, sondern ein Erlebnis, bei dem die kreative Energie der Besucher/innen selbst im Mittelpunkt steht. Nicht auf die schauspielerische Glanzleistung oder die perfekte Ausleuchtung einer Szene kommt es an, sondern auf den Spaß am originellen Einfall und die Dynamik innerhalb der Gruppe.

Nach dem festgelegten „Protokoll“ des Erfinders Michel Gondry durchlaufen die Teilnehmer/innen einen Parcours, der mit der Ideenfindung, Set- und Kostümwahl beginnt und mit der Projektion des fertigen Films auf der Leinwand der Filmfabrik endet. Kein nachträglicher Schnitt. Kein zweiter Take. Der erste Versuch gilt. Klingt nach einer Herausforderung? Ist es auch! „In eine andere Rolle zu schlüpfen, erfordert Mut“, weiß Jacques Kerleau, der sich selbst ein wenig zur Teilnahme überreden lassen musste. Aber „Gondry hat es mir wieder bestätigt: Es lohnt sich immer, sich etwas zuzutrauen und Neues auszuprobieren!“

In einem sind sich die Teilnehmer/ innen einig: Die Filmfabrik bringt Menschen zusammen. „Man lernt sich auf ungewöhnliche Weise so schnell kennen, wie es sonst gar nicht möglich wäre“, merkte Johanna, als sie das Experiment mit einer Gruppe Fremden wagte. Einfach vorbeikommen und sich mit anderen Neugierigen auf ein Filmabenteuer begeben: die Filmfabrik macht’s möglich, und das kostenlos und ohne Voranmeldung. Leonie konnte dagegen ihre langjährigen Freunde „einmal ganz anders erleben, das war richtig toll. Wer welche Rolle einnimmt, welche Fähigkeiten jede/r einbringt und wie man sich einigt, das bringt neue Seiten zum Vorschein. Die Filmfabrik schafft den Raum, sich darauf einzulassen.“

Besonders profitiert hat Leonies Gruppe vom „Fundus“ des Museums. Herzstück der Filmfabrik ist eine Auswahl an Sets, die in Genrefilmen eine Rolle spielen könnten. Für Frankfurter Lokal-Kolorit sorgen das Uhrtürmchen und eine „original“ Apfelwein-Kneipe. Wer die Filmfabrik noch nicht besucht hat, dem empfiehlt Leonie: „Schaut euch im Trailer an, was euch erwartet und dann probiert’s selber aus!“

Hochbetrieb bei Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry

Ein Blick in das stetig wachsende Archiv der Filmfabrik

Was kommt dabei heraus, wenn man eine Gruppe fremder Menschen für drei Stunden zusammenbringt, ihnen Kamera, Kostüme und atem- beraubende Filmkulissen zur Verfügung stellt, um ein spontanes Filmprojekt auf die Beine zu stellen? Das ist die Versuchsanordnung von Michel Gondrys weltweit erfolgreicher „Usine de films amateurs“, die unter dem Titel Abgedreht! Die Film­fabrik von Michel Gondry noch bis zum 28. Januar im Deutschen Filmmuseum zu erleben ist.

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Seit Mitte September entstehen so täglich eine ganze Menge Filme – in Frankfurt bis dato mehr als 150, der längste knapp 18 Minuten und die kürzesten eine Minute lang. Dramen, Komödien, Splattermovies, Science- Fiction-Filme sind dabei – und nicht wenig Mord und Totschlag. Das hat sicherlich auch mit den beeindruckenden Kulissen zu tun, die neben einem Oma-Café und voll eingerichteten Wohnräumen im Retro-Chic durchaus auch Spiel-Raum für Abgründiges liefern: vom schön-schaurigen Friedhof über verwahrlostes Ödland bis zur filmreifen Gummizelle ist für Experimentierfreude mit Gruseleffekt gesorgt. Kostprobe gefällig? Drei exklusive Einblicke:

Filmtitel: WASTELAND WOMEN
Genre: feministischer Anarcho-SciFi

Plot: Nach einem Atomkrieg sind einige junge Frauen die einzi- gen Überlebenden. Sie werden zur Keimzelle einer neuen Gesellschaft, die das Theater zum obersten Kulturgut erhebt. Eine Welt für die Kunst und für die Frauen.

Stärkstes Zitat: Letzte Szene, auf dem Motorroller in die Zukunft brausend: „Now all the world’s our stage!”

Filmtitel: EIN SOMMER OHNE MICH

Genre: Fantasy-Komödie

Plot: Der Büroangestellte Herr Strunz ertrinkt in Arbeit. Die Aufträge stapeln sich auf seinem Schreibtisch, und laufend kommen neue To-Dos hinzu. Da steht plötzlich ein magisches Einhorn vor ihm und stellt sein Leben auf den Kopf. Es sprüht nur so vor Ideen für lustige Unternehmungen und entführt ihn kurzerhand in eine Welt der Fantasie und Freude. Doch mit Herrn Strunz hat das Einhorn eine harte Nuss zu knacken, denn der weist zunächst jeden Vorschlag mürrisch ab. Karussell fahren? Dabei wird ihm nur schlecht. Sternschnuppen zählen? Bloß totes Gestein, das durchs All fliegt. Erst auf der Couch einer Gesprächstherapeutin wird Herrn Strunz klar: „sein“ Einhorn bringt Glück in sein Leben.

Stärkstes Zitat: „Wir haben hier die köstlichsten Glücks-Macarons: eins für Vertrauen, eins für Zuversicht, eins für Entspannung … Was kann ich Ihnen bieten?“ – „Haben Sie auch W-Lan?“

Filmtitel: UNSER ZUKÜNFTIGER BERUF

Genre: fiktionales Biopic

Plot: Ein Tag im Leben zweier Ärztinnen: Mit Liebe zum Detail stellen sich zwei junge kasachische Mädchen den Berufsalltag vor.

Stärkste Szene: Die imaginierten Morgen- und Abendrituale! Bevor die beiden jungen Protagonist/innen zur Arbeit gehen, darf die Morgentoilette einer erwachsenen Frau nicht fehlen: Sie frisieren die Haare, legen Parfum auf. Am Abend vor dem Schlafengehen fallen sie erschöpft ins Bett – ein letzter Blick ins Schminkköfferchen auf dem Nachttisch: Erst wenn der Lippenstift noch einmal sauber nachgezogen ist, kuscheln sich die beiden in die Federn.

Der französische Regisseur Michel Gondry entwickelte das Konzept der Filmfabrik bei den Dreharbeiten zu BE KIND REWIND (Abgedreht, US 2008). Der absurde Plot seines Films: Durch einen Unfall werden alle VHS-Bänder der Videothek gelöscht, in der Mike arbeitet. Also macht er sich mit seinem Kumpel Jerry daran, den gesamten Film-Bestand selbst nachzudrehen.

Basierend auf derselben Idee, stellt Gondry auch bei der Filmfabrik die Lust am kreativen, abgedrehten Einfall ins Zentrum. Der für seinen überbordenden Ideenreichtum bekannte Regisseur verspricht den Besucher/innen der Filmfabrik: „You’ll like this film, because you’re in it.“

Denn eines ist klar: Auf herausragendes Schauspiel und astreine Kameraführung kommt es hier weniger an – und doch lädt das Setting unbedingt dazu ein, aus den Alltagsrollen auszubrechen und der Fantasie freien Lauf zu lassen. Im Mittelpunkt steht die produktive Gruppenarbeit. Jede und jeder kann kreativ werden, das ist die Botschaft der Filmfabrik. Dass die Filmexperimente da schon mal wie ein einziger „Outtake“ anmuten, wie eine missglückte Szene, die in einem richtigen Film rausfliegen würde, überrascht nicht. Manchmal entstehen per Zufall auch richtig experimentelle Werke. So verwechselten die Kameraleute eines Teams fatalerweise An- und Aus-Knopf der Kamera. Und zwar konsequent. In der Folge wurde aus TRAIN NO. 6 – BANANA SPLAT auf der Kinoleinwand nicht der geplant blutrünstige Horrorthriller, sondern ein nüchternes „Making Of“, das die Diskussionen zwischen den einzelnen Einstellungen dokumentiert.

Was beim spontanen Filmprojekt herauskommt, liegt also ganz an den Teilnehmer/innen. Lust aufs eigene „abgedrehte“ Filmerlebnis? Einzelpersonen können bis zum 28. Januar 2018 täglich kostenlos und ohne Voranmeldung am Parcours durch Abgedreht! Die filmfabrik von Michel Gondry teilnehmen. Die DVD zum eigenen Film gibt’s natürlich mit dazu.

Ein Rundgang mit Kulissengestalter Holger Müller

Hinter der Tür im 3. Obergeschoss des Deutschen Filmmuseums beginnt eine andere Welt. Auf verhältnismäßig kleinem Raum eröffnet sich eine spektakuläre Kulissenlandschaft voller Kontraste und überraschender Blickwinkel: Vom ratternden Frankfurter U-Bahn-Waggon geht es nur wenige Schritte weiter in ein städtisches Ödland, in dem die Überreste menschlicher Behausung von Existenzen im düsteren Schatten der Gesellschaft erzählen. Zum Glück ist gleich nebenan das heimelige Licht eines Oma-Cafés mit Frankfurt-Touch auszumachen. Vielleicht traut sich hier ein schüchterner Bankangestellter, endlich die hinreißende Frau anzusprechen, die immer wieder vom Tisch am anderen Ende zu ihm herüberblickt.

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In den Kulissen von Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry scheint so ziemlich alles möglich. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt der einzigartigen Umsetzung durch Kulissengestalter Holger Müller. Der Diplom-Architekt und erfahrene Szenenbildner weiß: „Wenn du in den Kulissen stehst – dann fängt der kreative Prozess meist erst an. Optik spielt eine ganz entscheidende Rolle – das ist hier nicht anders als bei der Erkundung einer neuen Stadt oder beim Gang durch ein Möbelhaus. Die Ideen kommen dann von selbst.“ So stellt sich das im Idealfall wohl auch der französische Regisseur Michel Gondry vor, der sich das Projekt ausgedacht hat, das seit Mitte September und noch bis zum 28. Januar erstmals in Deutschland Station macht. Einzelpersonen können bei Abgedreht! kostenlos und ohne Voranmeldung an einem Parcours teilnehmen, der sie in drei Stunden von der Konzeption zur Fertigstellung ihres eigenen Films führt.

„Die Teilnehmer/innen lernen dabei, was eine Kulisse eigentlich ist. Sie verstehen den Unterschied zwischen dem, was das Auge sieht, und dem Bildausschnitt der Kamera.“, erklärt Holger Müller. Was das für die Setgestaltung bedeutet? „Du kannst mit Anschnitten arbeiten, Elementen, die nur teilweise im Bildausschnitt erscheinen. Dadurch erhält der Raum Tiefe und erscheint größer als er eigentlich ist. Das heißt auch, dass alles, was außerhalb des Blickfelds der Kamera liegt, gar nicht mitbehandelt werden muss – eine spannende Einstellung kannst du auf kleinstem Raum realisieren.“

Gerade mal sechs Wochen im Vorfeld hatte Holger Müller Zeit für Konzept und Entwicklung der Sets sowie die Zusammenstellung der Requisiten. Weitere drei, um die Kulissen mit seinem Team fertig zu stellen. Einmal in Fahrt, war der Gestaltungseifer nicht mehr zu stoppen. Messebauer, Patineure – Fachleute für die realistische Gestaltung der Oberflächen –, Maler und Ausstatter/innen verwandelten den leeren Ausstellungsraum in eine Filmlandschaft mit mehr als 20 verschiedenen Sets – viel mehr, als Gondrys Konzept eigentlich vorsieht. Vom Friedhof über die Gummizelle, das Straßencafé, voll eingerichtete Wohnräume, eine Vespa inmitten Frankfurts auf Leinwand projizierter Straßen bis hin zur Garage, einem Vorgärtchen und einem Platz mit dem Bornheimer Uhrtürmchen: Für jede denkbare und undenkbare Filmszene steht ein fantasievolles Setting bereit. „Erstens hatten wir den Ansporn, die Kulissen auf Frankfurt zu münzen. Außerdem sollte nicht alles einfach nur schön werden, sondern auch mal extra dreckig und alt, das hat unheimlich Spaß gemacht“, beschreibt Holger Müller die Besonderheiten.

Zeit, Platz und Budget waren dabei gleichermaßen enge Grenzen gesetzt. „Eine gewaltige Herausforderung, die sich dann doch als Freiheit entpuppt hat. Gondrys Vorgaben mussten wir gezwungenermaßen äußerst kreativ umsetzen“. Diesem Umstand verdanken die Frankfurter Kulissen von Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry einige ihrer Raffinessen. Begrüßt werden die Gruppen schon im Foyer des Filmmuseums, wo mit verschroben wirkendem Mobiliar die amtliche Empfangsstelle der Filmfabrik eingerichtet ist – die eigentlichen Kulissen, sowie die zugehörige Videothek und das eigene kleine Kino befinden sich drei Stockwerke höher. Die Sets gehen fließend ineinander über und bilden eine zusammenhängende Landschaft, die unzählige Möglichkeiten für Gegenschüsse, Kameraschwenks und Durchblicke bietet. „An einem Bürotisch vorbei kann die Kamera das Geschehen auf dem Dorfplatz einfangen und dahinter vielleicht noch ein Augenpaar, das dieselbe Szene aus der Wohnung gegenüber beobachtet.“ All das ermöglicht ein Erlebnis, wie es Michel Gondry im Sinn hatte. In den Worten von Holger Müller: „Man kann ganz einfach in eine andere Welt abtauchen“.

Wer Lust bekommen hat, seine kreativen Einfälle in den Kulissen der Filmfabrik zum Leben zu erwecken, der braucht dafür nichts weiter als drei Stunden Zeit. Gruppen aus bunt zusammengewürfelten Teilnehmer/ innen werden mehrmals täglich spontan zur Crew ihres eigenen Films, den sie sich am Ende auf der Kinoleinwand der Filmfabrik anschauen können.

Was hat das mit Schweden zu tun?

Mike und Jerry haben ein Problem: Weil Jerry nach einem Stromunfall unter Hochspannung steht, löscht er versehentlich alle VHS-Bänder aus dem Bestand der Videothek, in der Mike angestellt ist. Was tun? Kurzerhand drehen die Freunde diverse Filme aus dem Videotheksbestand mit einfachen Mitteln innerhalb weniger Stunden nach – und wider Erwarten blüht das Geschäft auf … Regisseur Michel Gondry ist ein kreativer Kopf.

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Über Musikvideos zum Film gekommen, schafft der Franzose unterhaltsame Werke, in denen eine charmant-skurrile Ästhe tik auf abseitigen Humor und mitunter kühn AKtueLLeS konstruierte Plots trifft – so auch im oben beschriebenen BE KIND REWIND (Abgedreht, US 2008). Was Mike und Jerry im Film aus der Not heraus entwickeln, nennt Gondry „Filme schweden“. „Schweden“ deshalb, weil das gleichna- mige Land das einzige ist, das die online gestellten privat nachgedrehten Filme nicht als Urheberrechtsverstöße ahndet. Sie werden hier als Form der freien Meinungsäußerung anerkannt und zugelassen. Der Begriff hat sich bald etabliert – ebenso wie die Tätigkeit, die er beschreibt. Western-Cowboys reiten auf Stecken- und Schaukelpferden, statt Blut spritzt Konfetti, und einschlägige Filmmelodien werden nachgesummt: Schweden bedeutet im Sinne Michel Gondrys, Filme – meist bekannte Hollywood-Blockbuster – innerhalb kürzester Zeit und mit bescheidenen Mitteln nachzu- drehen.

Hierbei geht es nicht um professionelles Handwerk und perfektionistische Nachahmung des Originals, im Vordergrund stehen Einfallsreichtum und das Herunterbrechen eines filmischen Werks auf seine Kernszenen. Der geschwedete Film mit einer Dauer von rund fünf Minuten ist weniger eine Persiflage als eine Hommage an das Originalstück und vor allem dann unterhaltsam, wenn letzteres den Zuschauer/innen bekannt ist.

Michel Gondrys weltweit erfolgreiches Konzept der „Usine de films amateurs“, das von Donnerstag, 14. September, an unter dem deutschen Titel Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry im Deutschen Filmmuseum umgesetzt wird, entstand parallel zu den Dreharbeiten für BE KIND REWIND. Anders als in der Komödie drehen Teilnehmer/innen der Filmfabrik zwar kein bekanntes Werk nach, sondern erzählen eine eigens ausgedachte Geschichte. Ein ganz zentraler Gedanke Michel Gondrys verbindet aber das Schweden von Filmen mit den Prozessen in der Filmfabrik: Eine Gruppe, die gemeinsam das Ziel verfolgt, innerhalb kurzer Zeit vor laufender Kamera eine Geschichte zu erzählen, setzt ein Maß an kreativen Energien frei, das beachtliche Werke entstehen lässt.

Zur Einstimmung auf die kreative Schaffensphase, die mit Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry vom 14. September 2017 bis 28. Januar 2018 auf das Deutsche Filmmuseum zukommt, werden am Mittwochabend, 13. September, von 19 Uhr an bereits die Tore zur Kulissen-Preview geöffnet. Besucher/innen können sich so einen ersten Eindruck der Möglichkeiten, die der Parcours bietet, verschaffen, und sich auch gleich zu einer Tour im Laufe der folgenden vier Monate anmelden. Im Kino des Deutschen Filmmuseums läuft um 20:30 Uhr zur Eröffnung des Projekts – was würde sich besser anbieten – Michel Gondrys BE KIND REWIND.

Bereits an zwölf Orten weltweit konnte Michel Gondry mit seiner Filmfabrik Menschen dazu animieren, selbst kreativ zu werden und ideenreiche Werke zu schaffen. Erstmals ist er mit dem Projekt nun in Deutschland aktiv. Ein Besuch in der Filmfabrik folgt einem genauen Protokoll: eine Gruppe von fünf bis zwölf Personen, die sich oft erst vor Ort kennenlernen, durchläuft gemeinsam alle Stationen – von der Auswahl eines Genres und Titels für den Film über den Entwurf der Handlung und die Rollenverteilung bis hin zum Dreh selbst. Es entsteht ein kurzer Genrefilm, den die Teilnehmer/innen sich in der letzten Station, dem kleinen Kino, gemeinsam ansehen. Anschließend wandert der Film ins wachsende Archiv der Filmfabrik.

Eröffnung der Filmfabrik am Mittwoch, 13. September

Knapp 200 Gäste kamen zur Eröffnung von Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry, um einen ersten Blick in die liebevoll und detailreich gestalteten Kulissen zu werfen.

Bildergalerie
Mitschnitt der Veranstaltung

Filmdreh in drei Stunden: Die Vampire sind los

An diesem Samstag ist Mathilda Schuh Kamerafrau. Die Schülerin steht vor der Kulisse eines U-Bahn- Waggons, der durchs Frankfurter Nordend rauscht, und richtet die Kamera auf

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Jacques Kerleau. Der Arzt für Allgemeinmedizin spielt heute einen Kommissar, der nach einer durchzechten Nacht die Orientierung verloren hat. Ob das hellblaue Einhorn auf dem U-Bahn-Sitz vor Jacques, gespielt von Zauberkünstler Julius Zier, real oder nur eine Halluzination ist, werden wir bis zum Ende des Films nicht erfahren.

Seit dem 14. September und noch bis 28. Januar 2018 können Gruppen von fünf bis zwölf Personen in einem Parcours, der im Deutschen Filmmuseum aufgebaut wurde, innerhalb von drei Stunden ihren eigenen Film erdenken – und auch gleich drehen. Abgedreht! Die Filmfabrik von Michel Gondry ist ein Projekt, das der französische Regisseur bereits an zwölf Orten weltweit umgesetzt hat. Nun gastiert es erstmals in Deutschland. Die Teilnahme ist kostenlos, die Anmeldung zu einer Tour erfolgt online oder – ganz spontan – direkt vor Ort. Mathildas Gruppe hat sich für den Dreh einer Horror-Komödie entschieden: „Der Vampirpate im Bahnhofsviertel“. Sechs weitere Teilnehmer/innen touren an diesem Samstagnachmittag mit Mathilda, Jacques und Julius durch die Filmfabrik, noch bevor diese für das Publikum öffnet: Fitnesstrainer Insa Gaye, Taschendesignerin Angela Miklas, Philly Makora, angehende Kommunikationsmanagerin, Jan Hoffmann, Küchenchef im Frankfurter Seven Swans, sowie die Journalistinnen Henriette Nebling und Judith Henke.

Sämtliche Teilnehmer/innen begegnen sich zum ersten Mal. Die demokratische Abstimmung über Genre und Titel des Films sowie die Erstellung eines groben Handlungsmusters, Gegenstand des ersten von zwei Workshops, läuft deshalb noch verhalten. Aber der sehr exakte Leitfaden, den Michel Gondry für seinen Parcours erstellt hat, lässt Zurückhaltung kaum zu. Außerdem gibt es noch Mascha Dämkes und Moritz Hingott: Sie kennen Gondrys Konzept in- und auswendig und betreuen die Gruppen im Museum bei ihrer Tour durch die Filmfabrik. Die Zeit läuft: Nach 45 Minuten müssen Genre, Titel und Story stehen. Küchenchef Jan hat die Uhr fest im Blick. Gleich im Anschluss geht es in Workshop 2. Hier wählen die Teilnehmer/ innen aus einem riesigen Fundus Kostüme und Requisiten für ihren Film. Julius findet sein Einhornkostüm, Taschendesignerin Angela wählt für ihre Rolle als Vampir- Wirtin High Heels mit Leopardenmuster, und Insa wird mithilfe eines weißen Kittels und einer Brille in die Rolle des Arztes schlüpfen. Die Kostümauswahl ist groß – und lädt zum Herumalbern ein. Allmählich finden die Teilnehmer/innen zueinander, aber: „Wir haben nur noch fünf Minuten“, gibt Zeitwächter Jan zu bedenken. Dann müssen die Kostüme sitzen, und die Gruppe begibt sich in die Kulissen im dritten Obergeschoss: Für den Dreh bleibt eine Stunde Zeit.

Vom typischen Frankfurter U-Bahn-Waggon über ein schrullig-schönes Caféhaus bis hin zum düsteren Friedhof: Die detailreich gestalteten Kulissen der Filmfabrik geben viel Raum zum Geschichtenerzählen. Mathildas Gruppe findet großen Gefallen an einer klassischen Vespa, auf der man mittels Rückprojektion durch die Frankfurter Innenstadt pesen kann, und an einer Gummizelle: hier soll der orientierungslose Kommissar seinen Rausch ausschlafen. Zwei Dinge stehen bei dem von Michel Gondry erdachten Projekt im Vordergrund: das große kreative Potential einer Gruppe, die sich möglichst aus untereinander noch unbekannten, völlig unterschiedlichen Leuten zusammensetzt, und die klare Botschaft, dass jede/r einen Film drehen kann, wenn er/ sie nur möchte: In der Filmfabrik geht es nicht um die Qualität eines Films, oder darum, eine Geschichte mit komplexen Handlungsmustern und Tiefgang zu erzählen, sondern um eine produktive Gruppenarbeit, an der jedes einzelne Mitglied seinen Anteil hat. „You’ll like this film because you’re in it“, verspricht Gondry.

Mathilda und ihre Gruppe mögen ihren Film. Nach Abschluss der Dreharbeiten und zurück in ihren Alltagsklamotten sehen sie sich ihr fertiges Werk gemeinsam im kleinen Kino der Filmfabrik an – und haben viel zu lachen. Eine DVD mit selbst gestaltetem Cover verbleibt im wachsenden Archiv des Filmmuseums, eine weitere dürfen die Teilnehmer/innen mit nach Hause nehmen.

Voilà: Die Filmfabrik öffnet ihre Türen

Einen ersten Blick in die Kulissen der Filmfabrik kann das Publikum am Mittwoch, 13. September, im Anschluss an die Eröffnungsfeier um 19 Uhr werfen.

 

Von Donnerstag, 14. September, an ist die Filmfabrik für alle geöffnet. Mit vorzeitiger Anmeldung oder wahlweise auch ganz spontan können Besucher/innen an einer der bis zu sieben täglich stattfindenden Touren teilnehmen und mit anderen Besucher/innen in drei Stunden einen eigenen Film drehen. Ein kleiner Making-of-Trailer, der bei den ersten Probetouren entstanden ist, vermittelt eine erste Vorstellung davon, was einen in der Filmfabrik erwartet: